Lebensmittel

Bier bei Gicht: Warum Bier für die Harnsäure am schlimmsten ist

Kein Alkohol hängt so stark mit Gicht zusammen wie Bier: Ethanol steigert die Harnsäurebildung, Bier liefert Purine, vor allem leicht aufnehmbares Guanosin.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bier ist das alkoholische Getränk, das am stärksten mit Gicht zusammenhängt: In einer großen Studie war das Gichtrisiko bei 2 oder mehr Bier am Tag 2,51-fach erhöht, und jedes zusätzliche tägliche Bier steigerte es um 49 %.
  • Bier wirkt dreifach: Ethanol steigert die Bildung von Harnsäure, Bier enthält Purine (etwa 35 mg pro 355 ml), und das wichtigste davon ist Guanosin, das leicht aufgenommen wird.
  • Wein ging nicht mit einem höheren Risiko einher, an Gicht zu erkranken, doch bei Menschen, die bereits Gicht haben, waren Wein, Bier und Spirituosen alle mit mehr Anfällen verbunden. Alkoholfreies Bier enthält etwa halb so viele Purine wie normales Bier.

Wenn es einen Ernährungsfaktor gibt, bei dem sich die Gichtforschung durchweg einig ist, dann diesen: Bier ist das ungünstigste alkoholische Getränk bei Gicht. Während viele Zusammenhänge zwischen Ernährung und Gicht vielschichtig sind, ist die Beweislage gegen Bier stark und in mehreren großen Studien übereinstimmend.

Die dreifache Belastung: Warum Bier besonders ungünstig ist

Bier beeinflusst die Harnsäure gleichzeitig über drei getrennte Mechanismen:

1. Alkohol steigert die Bildung von Harnsäure

Jeder Alkohol, nicht nur Bier, treibt die Harnsäure nach oben. Zu verstehen, wie Alkohol Gichtanfälle auslöst (englisch), ist deshalb wichtig. Dabei passiert Folgendes:

  • Beim Abbau von Ethanol verbraucht die Leber rasch das Energiemolekül der Zellen (ATP), und die Abbauprodukte werden zu Harnsäure
  • Eine Studie von 1982 mit Menschen mit Gicht ergab, dass Ethanol die Harnsäure vor allem durch eine höhere Bildung steigerte, während die Ausscheidung über die Nieren sogar zunahm
  • Bei starkem Trinken entsteht beim Alkoholabbau zudem so viel Laktat, dass es in den Nieren mit der Harnsäure konkurriert und deren Ausscheidung verringert
  • Bei Bier in üblichen Mengen fand eine Studie von 1984 keinen Hinweis auf eine verringerte Ausscheidung; der Anstieg ging auf die Purine im Bier und die Wirkung von Ethanol auf die Harnsäurebildung zurück

2. Bier enthält nennenswerte Purine

Anders als Wein oder Spirituosen enthält Bier durch den Brauprozess beträchtliche Mengen an Purinen:

  • Bierhefe ist purinreich
  • Bei der Gärung entstehen zusätzliche Purinverbindungen
  • Ein typisches normales Bier enthält etwa 35 mg Purine pro 355 ml (veröffentlichte Analysen reichen von etwa 30 bis 50 mg)
  • Craft-Biere und obergärige Biere (Ales) enthalten meist mehr Purine als leichte helle Lagerbiere

3. Das Guanosin im Bier

In dieser Analyse von 1984 war Guanosin das wichtigste Purin in mehreren Biersorten; die Forschenden beschrieben es als das wahrscheinlich am leichtesten aufgenommene Nahrungspurin. Das könnte ein Grund sein, warum Bier die Harnsäure stärker erhöht, als sein eher bescheidener Puringehalt vermuten ließe.

Was die Studien zeigen

Die Health Professionals Follow-Up Study (2004)

Diese wegweisende Studie, veröffentlicht in The Lancet, begleitete 47.150 Männer über 12 Jahre:

  • 2 oder mehr Bier pro Tag: 2,51-fach höheres Gichtrisiko (plus 150 %)
  • 2 oder mehr Gläser Spirituosen pro Tag: 1,60-fach höheres Risiko
  • 2 oder mehr Gläser Wein pro Tag: kein statistisch signifikanter Anstieg
  • Jedes zusätzliche tägliche Bier erhöhte das Risiko um 49 %

Die NHANES-III-Erhebung (2004)

Bei der Auswertung einer landesweiten Gesundheitserhebung in den USA fanden die Forschenden:

  • Jedes tägliche Bier ging mit einer um etwa 0,46 mg/dl höheren Harnsäure im Blut einher
  • Spirituosen erhöhten sie weniger (etwa 0,29 mg/dl pro täglichem Glas), Wein hatte keinen signifikanten Effekt

Eine Auswertung von fünf US-Kohorten aus dem Jahr 2018

Mit gepoolten Daten von 16.760 Menschen (veröffentlicht im BMJ):

  • Bier und Spirituosen waren die Lebensmittel mit dem stärksten harnsäuresteigernden Effekt
  • Die Ernährung insgesamt erklärte nur einen sehr kleinen Teil der Unterschiede in der Harnsäure zwischen den Menschen, eine Erinnerung daran, dass Genetik und Stoffwechsel mehr zählen

Bier, Wein und Spirituosen im Vergleich

GetränkErhöhung des Gichtrisikos (2+ Gläser/Tag)PuringehaltGesamtrisiko
Bier2,5-fachEtwa 35 mg pro 355 mlAm höchsten
Spirituosen1,6-fachVernachlässigbarMittel
WeinNicht signifikantVernachlässigbarAm niedrigsten

Das neutrale Ergebnis für Wein gilt für das Entstehen von Gicht. Bei Menschen, die bereits Gicht haben, ergab eine Studie von 2014 mit 724 Teilnehmenden, dass Wein, Bier und Spirituosen jeweils mit einem höheren Risiko für einen Anfall innerhalb von 24 Stunden verbunden waren. Wein ist also kein Freibrief.

Der Faktor Flüssigkeitsmangel

Flüssigkeitsmangel kann das Problem verstärken, wenn auch weniger, als oft behauptet wird:

  • Alkohol steigert die Urinmenge, doch in einer Studie von 2017 mit älteren Männern führte eine mäßige Menge normales Bier zu nicht mehr Urin als dieselbe Menge alkoholfreies Bier; Wein und Spirituosen hatten einen kleinen, kurzen Effekt
  • Lange Trinkabende, heißes Wetter und salzige Knabbereien können trotzdem dazu führen, dass Ihnen am Morgen Flüssigkeit fehlt
  • Flüssigkeitsmangel konzentriert die Harnsäure im Blut
  • Konzentrierte Harnsäure kristallisiert eher in den Gelenken

Deshalb erleben viele Menschen mit Gicht am Morgen nach dem Trinken einen Gichtanfall: Mehr gebildete Harnsäure, zusätzliche Purine und, nach starkem Trinken, eine verringerte Ausscheidung und Flüssigkeitsmangel kommen zusammen.

Praktische Strategien

Wenn Sie trinken möchten:

Die beste Wahl

  1. Wein in Maßen: in der großen Studie mit Männern nicht mit dem Entstehen von Gicht verbunden, kann bei bestehender Gicht aber trotzdem Anfälle auslösen
  2. Spirituosen mit zuckerfreien Mixgetränken: mittleres Risiko, keine Purine in der Spirituose selbst

Wenn Sie Bier trinken

  • Wählen Sie leichte helle Lagerbiere statt Craft-Ales, Stouts oder IPAs (weniger Purine)
  • Bleiben Sie bei 1 Bier pro Gelegenheit
  • Trinken Sie zwischen zwei Bieren jeweils ein ganzes Glas Wasser
  • Vermeiden Sie Rauschtrinken: Das Risiko steigt mit der Menge steil an

Allgemeine Regeln zu Alkohol bei Gicht

  • Trinken Sie reichlich Wasser vor, während und nach dem Alkohol
  • Kein Alkohol während eines Anfalls: Er verschlimmert den Anfall wahrscheinlich und verlängert ihn
  • Halten Sie Ihr Trinkverhalten und Ihre Anfälle fest: Ihre persönliche Verträglichkeit kann höher oder niedriger sein als der Durchschnitt
  • Trinken Sie nie auf leeren Magen: Essen verlangsamt die Aufnahme von Alkohol

Alkoholfreies Bier: die bessere Wahl?

Alkoholfreies Bier lässt den Alkohol weg, enthält aber weiterhin Purine aus dem Brauprozess, etwa 18 mg pro 355 ml, also ungefähr halb so viel wie normales Bier. Es ist ein Mittelweg:

  • Kein Ethanol, das die Bildung von Harnsäure steigert
  • Kein durch Alkohol entstehendes Laktat
  • Enthält weiterhin Purine aus der Bierhefe
  • Enthält weiterhin Guanosin

Für viele Menschen mit Gicht ist alkoholfreies Bier ein vernünftiger Kompromiss. Es lohnt sich aber, Ihre Reaktion darauf festzuhalten, um zu sehen, ob die Purine allein Sie beeinflussen.

Fazit

Bier ist in der Forschungsliteratur der Ernährungsauslöser, der am stärksten mit Gicht zusammenhängt. Die Kombination aus Alkohol (der die Bildung von Harnsäure steigert), Purinen (die die Harnsäurelast erhöhen) und einem hohen Guanosingehalt macht es besonders problematisch. Wenn Sie Ihre Gicht ernsthaft in den Griff bekommen möchten, gehört es zu den wirkungsvollsten Ernährungsänderungen, Bier zu reduzieren oder ganz wegzulassen.

Allerdings reagieren Menschen unterschiedlich, und manche mit Gicht stellen fest, dass sie gelegentlich ein Bier ohne Folgen vertragen. Entscheidend ist, Ihre persönlichen Muster festzuhalten und Entscheidungen auf Grundlage Ihrer eigenen Daten zu treffen. Mehr dazu, wie die Ernährung Gicht beeinflusst, finden Sie in unserem Ratgeber zu Gicht und Ernährung (englisch).

Quellen

Dieser Artikel dient nur der Information und ist keine ärztliche Beratung. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, Ihrer Ärztin oder Ihrer rheumatologischen Praxis über Ihre persönliche Situation.

Finden Sie Ihre persönlichen Auslöser

Jeder reagiert anders auf Lebensmittel. Urica zeigt Ihnen, wie bestimmte Lebensmittel IHRE Gichtanfälle beeinflussen, und bewertet dafür Purine, Fruktose und glykämische Last gemeinsam statt nur Purine.

Häufige Fragen

Ist Bier bei Gicht schädlich?

Ja, Bier gilt als das ungünstigste alkoholische Getränk bei Gicht. Es wirkt dreifach: Der Alkohol steigert die körpereigene Bildung von Harnsäure (und bei starkem Trinken kommt Laktat hinzu, das die Ausscheidung über die Nieren verringert), Bier enthält Purine aus Hefe und Getreide (etwa 35 mg pro 355 ml), und das wichtigste dieser Purine ist Guanosin, wahrscheinlich das am leichtesten aufgenommene Nahrungspurin. In einer großen Studie mit Männern gingen zwei oder mehr Bier am Tag mit einem etwa 2,5-fach höheren Risiko einher, an Gicht zu erkranken.

Darf man bei Gicht überhaupt Alkohol trinken?

In einer großen Studie mit Männern ging mäßiger Weinkonsum, anders als Bier und Spirituosen, nicht mit einem höheren Risiko einher, an Gicht zu erkranken. In einer Studie von 2014 mit Menschen, die bereits Gicht hatten, gingen aber schon mehr als ein bis zwei Getränke innerhalb von 24 Stunden mit einem höheren Anfallsrisiko einher, und Wein, Bier und Spirituosen waren jeweils mit mehr Anfällen verbunden. Wenn Sie trinken möchten, bleiben Sie maßvoll, trinken Sie ausreichend Wasser und beobachten Sie, wie Sie reagieren.

Wie lange nach dem Biertrinken kann ein Gichtanfall kommen?

Oft innerhalb eines Tages. In einer Studie von 2014 mit Menschen mit Gicht ging Alkohol in den vorangegangenen 24 Stunden mit einem höheren Anfallsrisiko einher, und viele bemerken einen Anfall am Morgen nach dem Trinken. Der zeitliche Ablauf ist von Mensch zu Mensch verschieden: Ethanol steigert die Bildung von Harnsäure, und bei starkem Trinken können Laktat, das die Ausscheidung verringert, und Flüssigkeitsmangel hinzukommen.

Ist alkoholfreies Bier bei Gicht in Ordnung?

Alkoholfreies Bier enthält durch den Brauprozess und die Hefe weiterhin Purine, es fehlt aber der Alkohol, der die Bildung von Harnsäure steigert. Es ist die bessere Wahl als normales Bier, aber nicht purinfrei. Wenn Sie einen Ersatz für Bier suchen, hilft es, Ihre Reaktion auf alkoholfreies Bier festzuhalten, um zu sehen, ob die Purine allein Sie beeinflussen.

Weitere Artikel