Kaffee bei Gicht: Gut oder schlecht? Was die Forschung zeigt
Mehrere große Studien zeigen: Kaffee geht mit niedrigerer Harnsäure und geringerem Gichtrisiko einher. Was die Forschung zu Kaffee und Gicht sagt.
Das Wichtigste in Kürze
- Kaffee geht in großen Studien mit einem niedrigeren Gichtrisiko einher: bei Männern mit 4 bis 5 Tassen am Tag um 40 % niedriger, bei Frauen mit 4 oder mehr Tassen um 57 % niedriger.
- Auch entkoffeinierter Kaffee zeigt einen (etwas schwächeren) Effekt, Tee dagegen nicht. Die Wirkung geht also wahrscheinlich nicht allein auf das Koffein zurück.
- Trinken Sie Kaffee ohne Zucker oder Sirup und dazu Wasser. Wenn Sie bisher keinen Kaffee trinken, fangen Sie nicht allein wegen der Gicht damit an, ohne das ärztlich zu besprechen.
Eine wirklich gute Nachricht für alle, die Gicht haben und gern Kaffee trinken: Die Forschung zu Kaffee und Gicht fällt überraschend positiv aus. Mehrere große Studien zeigen, dass Kaffeekonsum mit niedrigeren Harnsäurewerten und einem geringeren Gichtrisiko einhergeht. Sehen wir uns die Belege genauer an.
Die wichtigsten Studien
Die Nurses’ Health Study (2010)
Diese sehr große Studie begleitete 89.433 Frauen über 26 Jahre und ergab:
- Frauen, die 1 bis 3 Tassen Kaffee am Tag tranken, hatten ein um 22 % niedrigeres Gichtrisiko
- Frauen, die 4 oder mehr Tassen am Tag tranken, hatten ein um 57 % niedrigeres Gichtrisiko
- Auch entkoffeinierter Kaffee zeigte einen Nutzen, wenn auch einen etwas geringeren
Die Health Professionals Follow-Up Study (2007)
Diese in Arthritis & Rheumatism veröffentlichte Studie begleitete 45.869 Männer über 12 Jahre:
- Männer, die täglich 4 bis 5 Tassen tranken, hatten ein um 40 % niedrigeres Gichtrisiko
- Männer, die täglich 6 oder mehr Tassen tranken, hatten ein um 59 % niedrigeres Gichtrisiko
- 1 bis 3 Tassen am Tag machten kaum einen Unterschied
- Der Zusammenhang war dosisabhängig: mehr Kaffee, geringeres Risiko
- Tee zeigte keine schützende Wirkung
Die US-Gesundheitserhebung NHANES III
Bei der Auswertung der Daten von 14.758 Teilnehmenden (Third National Health and Nutrition Examination Survey) fanden die Forschenden:
- Kaffeekonsum ging deutlich mit niedrigeren Harnsäurewerten im Blut einher
- Der Effekt zeigte sich bei normalem und bei entkoffeiniertem Kaffee
- Die Harnsäure lag bei 4 bis 5 Tassen am Tag um etwa 0,26 mg/dl niedriger, bei 6 oder mehr Tassen um 0,43 mg/dl
Warum hilft Kaffee?
Der Mechanismus ist nicht vollständig verstanden, doch die Forschung hat mehrere wahrscheinliche Faktoren ausgemacht:
Es liegt nicht nur am Koffein
Dass auch entkoffeinierter Kaffee einen Nutzen zeigt (Tee aber nicht), spricht dafür, dass die schützende Wirkung nicht allein vom Koffein ausgeht. Koffein könnte trotzdem eine Rolle spielen: In der Studie mit Frauen ging eine höhere Koffeinaufnahme aus allen Quellen mit einem geringeren Risiko einher (in der Studie mit Männern nicht), und die Autoren vermuteten, dass auch andere Inhaltsstoffe als Koffein dazu beitragen könnten. Kaffee enthält Hunderte bioaktiver Stoffe, und mehrere tragen wahrscheinlich dazu bei:
- Chlorogensäure: ein starkes Antioxidans, das möglicherweise die Xanthinoxidase hemmt, das Enzym, das Harnsäure bildet (derselbe Mechanismus wie beim Gichtmedikament Allopurinol)
- Polyphenole: verbessern möglicherweise die Insulinempfindlichkeit, was den Nieren hilft, Harnsäure effizienter auszuscheiden
- Trigonellin: wirkt möglicherweise entzündungshemmend
Der Zusammenhang mit der Insulinempfindlichkeit
Kaffeekonsum geht mit einer besseren Insulinempfindlichkeit und einem geringeren Risiko für Typ-2-Diabetes einher. Da Insulinresistenz die Fähigkeit der Nieren beeinträchtigt, Harnsäure auszuscheiden, könnte dieser Nutzen für den Stoffwechsel ein Weg sein, über den Kaffee hilft.
Wichtige Einschränkungen
Bevor Sie nun eine ganze Kanne am Tag trinken, ein paar wichtige Überlegungen:
Keinen Zucker zugeben
Wenn Sie Ihren Kaffee mit Zucker oder aromatisierten Sirupen mit fruktosereichem Maissirup süßen, machen Sie den Nutzen womöglich zunichte. Fruktose ist ein gut belegter Auslöser von Gicht, der die Bildung von Harnsäure steigert und zugleich ihre Ausscheidung hemmt. Schwarzer Kaffee oder Kaffee mit etwas Milch ist die richtige Wahl.
Was als Tasse zählt
Die Studie mit Frauen definierte eine Tasse als 237 ml, weniger als viele Portionen im Café. Für die meisten Erwachsenen nennt die US-Arzneimittelbehörde FDA 400 mg Koffein am Tag als Menge, die in der Regel nicht mit negativen Wirkungen verbunden ist, und setzt sie mit etwa zwei bis drei Bechern Kaffee à 355 ml gleich. Die Menge von 4 oder mehr Tassen in den Studien liegt also nahe an dieser Grenze. Wenn Sie empfindlich auf Koffein reagieren: Auch entkoffeinierter Kaffee ging mit einem geringeren Gichtrisiko einher, wenn auch schwächer.
Andere gesundheitliche Aspekte
Kaffee wirkt nicht nur auf die Harnsäure:
- Kann bei manchen Menschen den Blutdruck erhöhen
- Kann Angstzustände verstärken oder den Schlaf verschlechtern
- Kann mit bestimmten Medikamenten wechselwirken
- Sehr hoher Konsum (6 oder mehr Tassen) kann Nebenwirkungen verursachen
Individuelle Unterschiede
Wie bei allem rund um die Gicht reagieren Menschen unterschiedlich. Manche stellen fest, dass Kaffee in ihrer Situation nicht hilft oder dass andere Effekte (etwa Flüssigkeitsverlust durch die leicht harntreibende Wirkung des Koffeins) den Nutzen aufheben.
Kaffee und andere Getränke bei Gicht im Vergleich
| Getränk | Wirkung auf das Gichtrisiko | Anmerkungen |
|---|---|---|
| Kaffee (normal) | Schützend | Stärkste Belege |
| Kaffee (entkoffeiniert) | Leicht schützend | Etwas schwächerer Effekt |
| Tee | Neutral | Kein signifikanter Effekt gefunden |
| Wasser | Schützend | Flüssigkeit unterstützt die Harnsäureausscheidung |
| Bier | Erhöht das Risiko | Purine und Alkohol wirken zusammen |
| Gezuckerte Getränke | Erhöhen das Risiko | Fruktose ist ein wichtiger Auslöser |
| Light-Limonade | Neutral | In einer großen Studie mit Männern nicht mit dem Gichtrisiko verbunden |
Was das für den Alltag bedeutet
- Wenn Sie bereits Kaffee trinken, gibt es gute Gründe, dabei zu bleiben. Die Belege sprechen dafür, dass er Ihrer Gicht hilft.
- Wenn Sie keinen Kaffee trinken, zwingen Sie sich nicht, allein wegen der Gicht damit anzufangen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, vor allem wenn Sie Probleme mit dem Blutdruck haben oder zu Angstzuständen neigen.
- Lassen Sie den Zucker weg: Schwarzer Kaffee oder Kaffee mit Milch bringt den Nutzen ohne Fruktose.
- Trinken Sie ausreichend: Kaffee wirkt leicht harntreibend, trinken Sie also Wasser dazu. Flüssigkeitsmangel ist ein bekannter Auslöser von Gichtanfällen (englisch).
- Beobachten Sie Ihre eigene Reaktion: Halten Sie Ihren Kaffeekonsum und Ihre Anfälle fest, um zu sehen, wie Kaffee bei Ihnen persönlich wirkt.
Fazit
Kaffee ist einer der wenigen wirklich positiven Ernährungsbefunde in der Gichtforschung. Mehrere große, gut angelegte Studien zeigen übereinstimmend, dass regelmäßiger Kaffeekonsum mit niedrigeren Harnsäurewerten und einem geringeren Gichtrisiko einhergeht. Die Wirkung scheint auf die besondere Zusammensetzung des Kaffees zurückzugehen (nicht nur auf das Koffein) und könnte zum Teil über eine bessere Insulinempfindlichkeit und eine Hemmung der Xanthinoxidase zustande kommen.
Natürlich verhindert Kaffee allein keine Gichtanfälle, wenn andere Faktoren (Alkohol, Fruktose, Flüssigkeitsmangel, Stoffwechselgesundheit) gegen Sie arbeiten. Er ist nur ein Baustein unter vielen. Einen vollständigen Überblick, wie Getränke die Gicht beeinflussen, bietet unser Ratgeber zu den besten Getränken bei Gicht (englisch). Mehr über Ernährung und Gicht im Allgemeinen finden Sie in unserem Bereich Gicht und Ernährung (englisch).
Quellen
- Choi HK, Curhan G. Coffee consumption and risk of incident gout in women: the Nurses’ Health Study. American Journal of Clinical Nutrition, 2010.
- Choi HK, Willett W, Curhan G. Coffee consumption and risk of incident gout in men: a prospective study. Arthritis & Rheumatism, 2007.
- Choi HK, Curhan G. Coffee, tea, and caffeine consumption and serum uric acid level: the Third National Health and Nutrition Examination Survey. Arthritis & Rheumatism, 2007.
- US Food and Drug Administration. Spilling the Beans: How Much Caffeine Is Too Much?
Dieser Artikel dient nur der Information und ist keine ärztliche Beratung. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, Ihrer Ärztin oder Ihrer rheumatologischen Praxis über Ihre persönliche Situation.
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Jeder reagiert anders auf Lebensmittel. Urica zeigt Ihnen, wie bestimmte Lebensmittel IHRE Gichtanfälle beeinflussen, und bewertet dafür Purine, Fruktose und glykämische Last gemeinsam statt nur Purine.
Häufige Fragen
Ist Kaffee gut bei Gicht?
Die Forschung zeigt immer wieder, dass regelmäßiger Kaffeekonsum mit niedrigeren Harnsäurewerten im Blut und einem geringeren Gichtrisiko einhergeht. Eine große Studie von 2007 ergab, dass Männer, die täglich 4 bis 5 Tassen tranken, ein um 40 % niedrigeres Gichtrisiko hatten. Der Nutzen scheint zumindest zum Teil von anderen Inhaltsstoffen des Kaffees als dem Koffein zu kommen, denn entkoffeinierter Kaffee zeigt ähnliche (wenn auch etwas schwächere) Effekte.
Wie viel Kaffee sollte man bei Gicht trinken?
In der großen Studie mit Männern zeigte sich das niedrigere Risiko ab 4 bis 5 Tassen am Tag (um 40 % niedriger), während 1 bis 3 Tassen kaum einen Unterschied machten. Bei Frauen gingen 1 bis 3 Tassen mit einem um 22 % niedrigeren Risiko einher, 4 oder mehr mit einem um 57 % niedrigeren. Berücksichtigen Sie aber auch Ihre Gesundheit insgesamt: Kaffee kann Blutdruck, Schlaf und Angstgefühle beeinflussen. Wenn Sie bereits Kaffee trinken, spricht die Forschung dafür, dass er Ihrer Gicht wahrscheinlich guttut. Wenn Sie keinen Kaffee trinken, besprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, ob Sie allein wegen der Gicht damit anfangen sollten.
Hilft entkoffeinierter Kaffee bei Gicht?
Ja, auch entkoffeinierter Kaffee zeigt einen schützenden Zusammenhang mit Gicht, wenn auch etwas schwächer als normaler Kaffee. Das deutet darauf hin, dass der Nutzen von anderen Inhaltsstoffen des Kaffees kommt (etwa Chlorogensäure und Polyphenolen) und nicht allein vom Koffein.
Hilft Tee bei Gicht?
Anders als Kaffee hat Tee in der Forschung nicht dieselbe schützende Wirkung gegen Gicht gezeigt. Eine Studie von 2007 in Arthritis & Rheumatism fand keinen Zusammenhang zwischen Teekonsum und Harnsäurewerten. Koffein könnte trotzdem eine Rolle spielen: In einer großen Studie mit Frauen ging eine höhere Koffeinaufnahme insgesamt mit einem geringeren Gichtrisiko einher (bei Männern nicht), und die Autoren vermuteten, dass auch andere Inhaltsstoffe des Kaffees dazu beitragen könnten.